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"Eine Aufgabe für alle"

Bundesminister Hubertus Heil erklärt im Interview, warum Barrierefreiheit ein Schwerpunkt für die Arbeit innerhalb der Bundesregierung ist.

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Hubertus Heil, MdB,
Bundesminister für Arbeit und Soziales

"Barrierefreiheit muss zum Hingucker werden."

Hubertus Heil, warum ist Barrierefreiheit wichtig für uns alle?

Hubertus Heil: Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. Das wird nicht zuletzt garantiert durch die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland vor 15 Jahren in Kraft getreten ist. Barrierefreiheit ist aus vielen Gründen wichtig. Natürlich geht es um Teilhabe, um den Abbau von Hindernissen im Alltag. Aber vielen Menschen ist nicht ausreichend bewusst, dass Barrieren uns viel Geld kosten.

Ein Beispiel ist der Wohnungsbau. Wir werden alle älter und benötigen daher irgendwann einmal barrierefreie Wohnungen. Daher ist es sinnvoll, von Beginn an barrierefrei zu planen, um teure Umbauten zu sparen. Dieses Beispiel gilt auch für andere Lebensbereiche, etwa bei der Digitalisierung. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet viele Anbieter von Hard- und Software ab 2025 zu Barrierefreiheit. Das sollten wir als Chance sehen, um unseren Alltag damit zukunftstauglich zu machen. Alles, was es dazu braucht, ist ein gemeinsamer Wille.

Und dafür brauchen wir die Bundesinitiative Barrierefreiheit?

Hubertus Heil: Genau. Mir ist es wichtig, mit der Bundesinitiative einen noch stärkeren Fokus auf das Thema zu legen. Es gibt Bereiche, in denen wir noch ein gutes Stück vorankommen wollen. Denken Sie an ärztliche Praxen ohne Aufzüge, schlecht programmierte Anwendungen und Züge, die für Menschen mit Behinderungen nicht nutzbar sind. Deswegen haben wir als Bundesregierung Ende 2022 die Bundesinitiative Barrierefreiheit ins Leben gerufen. Wir wollen Barrierefreiheit aus der Nische holen. Oder, vereinfacht gesagt: aus dem Vorabendprogramm in die Hauptsendezeit. Barrierefreiheit muss zum Hingucker werden. 

Dazu haben wir als Bundesregierung ganz klare Hausaufgaben. Gleichzeitig ist Barrierefreiheit eine Aufgabe für jede und jeden von uns. Wir müssen uns bewusstmachen: Sind wir als Land nicht barrierefrei, schließen wir potenziell 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen – und ihre Freundinnen, Freunde und Familien – von gesellschaftlicher Teilhabe aus. 13 Millionen, das sind so viele Menschen, wie in Bayern leben. Das schadet auch der Wirtschaft: Sind Produkte und Dienstleistungen nicht barrierefrei, fehlt dieser Personenkreis als Abnehmer.

Wo im Alltag schätzen Sie persönlich Barrierefreiheit?

Hubertus Heil: Das Thema Barrierefreiheit betrifft ja nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern uns alle. Als Vater von zwei Kindern weiß ich, wie nervig es ist, den Kinderwagen in einer ärztlichen Praxis die Treppe hochzutragen oder einen hohen Bordstein hochzuwuchten. Ich will das nicht gleichsetzen mit den Herausforderungen und Barrieren, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind. Aber auch mir persönlich würde mehr Barrierefreiheit helfen, jetzt schon und im Alter sicherlich noch viel mehr.

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